Ein Plan, der anscheinend NICHT funktioniert: NAO als „breite“ Mitgliederorganisation

In Berlin fanden am Freitag und Samstag Internationalismustage der Neue Antikapitalistischen Organisation (NAO) statt: „Die Teilnehmer*innenzahl war mit etwas unter 60 Menschen am Freitag geringer als bei den letzten Internationalismustagen im Oktober 2014.“ Damit waren diese Internationalismustage der NAO, die sich selbst als „breite“ Mitgliederorganisation sieht, jedenfalls auch nicht größer als die NaO-Sommerdebatte 2012, als der NaO-Prozeß noch gleichermaßen bescheiden wie realistisch als Diskussionsprozeß zwischen revolutionären Gruppen auftrat und die Gründung einer Mitgliederorganisation keine unmittelbare Perspektive war.

Jonas Schießer von der Antifaschistischen Revolutionären Aktion Berlin (ARAB) sagte bei der Veranstaltung „vor allem, was nicht klappen würde: eine Neue Antikapitalistische Organisation aufbauen“ und folgerte daraus: „Die NAO ist gescheitert.“ – und die anderen Beteiligten an der NAO sehen dies anscheinend genauso. – RIO raunt jedenfalls: „Die Auflösung ist noch nicht offiziell – wohl ist aber in den nächsten Tagen mit einer Erklärung zu rechnen.“

Auch im neuen deutschland heißt es: „Die NaO zumindest dürfte als Alternative [zur Linkspartei] ausfallen. Offen wurde die Krise in der noch jungen Organisation angesprochen. Es sei nicht gelungen, die Unterschiede zwischen den am NaO-Prozess beteiligten Gruppen zu überwinden und gemeinsam einen Neuanfang zu beginnen.“

Weniger (als eine „breite“ Mitgliederorganisation) wäre im vorliegenden Fall also nicht nur – nach dem bekannten Motto Lenins (LW 33, 375) – besser, sondern (Ironie der Geschichte) vermutlich sogar mehr gewesen: Wäre Ende 2013 / Anfang 2014 keine NAO als Mitgliederorganisation, sondern ein Bündnis revolutionärer Gruppen – mit revolutionären Essentials als Minimalkonsens und gemeinsamer Praxis in ausgewählten Praxisfeldern – gegründet worden, wäre der NaO-Prozesses damals nicht gespalten worden, sondern hätte vielleicht sogar weitere Gruppen anziehen können.

Trug ein bekanntes Buch über das Versinken des Impulses der Oktober-Revolution im Stalinismus noch den Titel „Die Revolution frißt ihre Kinder“, so kann über die NAO nicht mehr gesagt werden als: „Der Voluntarismus kanibalisiert sein Baby.“

6 Gedanken zu „Ein Plan, der anscheinend NICHT funktioniert: NAO als „breite“ Mitgliederorganisation

  1. hmm, nur weil ein vertreter von ARAB das gesagt hat, scheint es mir doch etwas verfrüht zu sein, gleich das beerdigungsinstitut zu alarmieren. dass die NAO (genau gesagt, das konstrukt der NAO Berlin) auf wackeligen füssen stand und steht, wusste und weiss man ja. aber ehrlich gesagt, gilt diese aussage mehr oder weniger für alle (klein)gruppen der „radikalen linken“. meines erachtens — und ich kann das natürlich nur als aussenstehender sagen — hängt diese entscheidung zu 99,9% davon ab, ob die GAM die NAO für sich als weiterhin nützlich betrachtet oder nicht. denn schliesslich war es die GAM, die den kurs auf breitheit letztlich ausschlaggebend ermöglich hat. (wenn auch mit dem hintertürchen des „gleichzeitigkeitsmodells“). das fusionsangebot von RIO an die GAM richtet sich daher an den bock, der gleichzeitig der gärtner sein will. 😉

    http://klassegegenklasse.org/welcher-weg-zu-einer-revolutionaeren-partei/

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  2. schliesslich war es die GAM, die den kurs auf breitheit letztlich ausschlaggebend ermöglich hat. (wenn auch mit dem hintertürchen des „gleichzeitigkeitsmodells“ [*]). das fusionsangebot von RIO an die GAM richtet sich daher an den bock, der gleichzeitig der gärtner sein will.

    Ja, das sehe ich auch so:

    ++ Es war in erster Linie die GAM, die – neben Teilen der SIB – Ende 2013 / Anfang 2014 voluntaristisch eine NAO gründen wollte.

    ++ Es war in erster Linie die GAM, die dafür – neben Teilen der SIB – die – zwar schmalen, aber revolutionären – Essentials durch ein – zwar thematisch „breites“, aber nicht revolutionäres – Manifest ersetzte.

    —–

    [*] „Für uns [GAM] gibt es dabei mehrere mögliche, begrüßenswerte und fortschrittliche Varianten, die der NAO-Prozess hervorbringen kann. Diese […] können und sollen […] gleichzeitig verfolgt werden.
    1. Der NAO-Prozess führt zu einer revolutionären Umgruppierung […].
    2. Eine zweite, progressive Entwicklung des NAO-Prozess wäre folgende: Er wird zum Anziehungspunkt einer weit über die bestehenden Gruppierungen hinausgehenden Umgruppierung der ‚anti-kapitalistischen‘, klassenkämpferischen Linken (was auch Teile der Linkspartei mit einschließen kann und soll; also den Versuch, einen Bruch des linken Flügels mit der Partei herbeizuführen). Diese Umgruppierung sollte möglichst viele Kräfte umfassen, […].“ (http://www.nao-prozess.de/blog/workshop-a-2-mit-wem-und-zu-welchem-zweck-wollen-wir-uns-organisieren/ – meine Hv.)

    Zur Kritik an diesem „Gleichzeitigskeits“-Modelle siehe:

    „Anders als die GAM denke ich allerdings, daß diese beiden Optionen nicht wirklich gleichzeitig verfolgt werden sollten. Wenn wir ernstnehmen, was die GAM als Bedingung für Option 2 formuliert („offensive[s] Eintreten für ein revolutionäres Programm durch einen möglichst großen Block“), dann braucht Option 1 auf alle Fälle einen deutlichen zeitlichen Vorlauf vor Option 2.“

    (http://www.nao-prozess.de/blog/workshop-a-2-mit-wem-und-zu-welchem-zweck-wollen-wir-uns-organisieren/#comment-3356)

    „Die GAM beispielsweise betreibt mit ihrem ‚Gleichzeitigkeitsmodell‘ (gleichzeitiger Aufbau einer ‚revolutionären‘ UND ‚breiten NAO‘) in dem einen Aspekt (nämlich der ‚breiten NAO‘) eine syndikalistische Politik der Vermischung von revolutionärer und reformistischer Organisierung und konterkariert damit ihren eigenen ‚leninistischen‘ Anspruch!“

    (http://www.nao-prozess.de/blog/eine-kleine-frage-an-unsere-mit-leninistinnen-nao-prozess-ohne-theoretische-anstrengung-geht-das/)

    „‚gleichzeitigkeitsmodell‘ (gleichzeitigkeit des aufbaus einer breiten UND einer revolutionären formation) für die NAO, welches ebenfalls die umgruppierung der REVOLUTIONÄRE verwässert.“

    (http://www.nao-prozess.de/blog/leninistischer-parteiaufbau-oder-programmatische-versatzstuecke-fuer-pseudobreite/)

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  3. Zum NaO-Prozess – Brief der NaO-Berlin an die Gruppen im NaO-Prozess:

    http://nao-prozess.de/zum-nao-prozess-brief-der-nao-berlin-an-die-gruppen-im-nao-prozess/

    das scheint aber immer noch die “offizielle” auflösungserklärung zu sein. merkwürdig ist auch, dass der brief vom “02.03.2016” datiert ist, es wird aber bezug genommen auf das datum “14.02.”:
    “Wir schlagen vor, uns nach den Internationalismustagen am 14. Februar in Berlin zu treffen. Dort sollte das Ende des NaO-Prozesses erklärt werden, am besten mit einer gemeinsamen Erklärung.”

    die formulierung “Unserer Meinung nach lässt sich dieser Prozess nicht wieder beleben, selbst wenn die „Internationalismustage 2016“ ein großer Erfolg werden sollten.” deutet darauf hin, dass dieser brief bereits VOR den “internationalismus-tagen” fertig war. die GAM wusste, dass die Titanic nicht mehr zu retten war.

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