Portugal: Nelkenrevolution (1974 ff.)

Nelkenrevolution 1974/75 – Das Wichtigste und Zugespitzteste an revolutionärem Prozess, das in Westeuropa seit Spanien 1936/39 gab

„Was den Imperialisten in diesem Stadium im Falle eines Sieges der portugiesischen Revolution so sehr Angst einjagt, ist nicht so sehr, daß sie dann ihre [NATO-, Plaene-Red.] Stützpunkte in Portugal verlier[en], sondern ist etwas anderes, es ist die Ahnung, daß ihnen in diesem Fall auch die Felle in Italien und Portugal wegschwimmen werden. […] es ist natürlich das Explosive des italienischen, spanischen und portugiesischen Wechselverhältnisses, daß hier die Perspektive für die europäische Revolution eröffnet [wird]. […]. Wir sind der Auffassung, daß das, was jetzt in Portugal abläuft, das Wichtigste und Zugespitzteste an revolutionärem Prozeß ist, was seit der spanischen Revolution [gemeint: dem spanischen BürgerInnenkrieg von 1936 – 1939] stattgefunden hat. Hier wird unmittelbar über das Schicksal der europäischen Revolution entschieden. Eine Niederlage in Portugal wird auch uns zurückwerfen.“

Referat des Genossen Theo auf der ersten Sommerschulung des Spartacusbundes [am 19.7.1975], in: Spartacusbund (Hg.), Materialien zur Portugaldiskussion Nr. 1, Sept. 1975, 21 – 32 (22, 23) – im Anschluss an das (lesenswerte) Referat ist eine kontroverse Diskussion abgedruckt, ob damals in Portugal in absehbarer Zeit eine sozialistische Revolution möglich war oder ob diese Hoffnung schon im Sommer 1975 illusorisch war.

Siehe außerdem:

I. Wikipedia-Artikel

  • Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nelkenrevolution [1]

  • Artikel in der englischsprachigen Wikipedia:

https://en.wikipedia.org/wiki/Carnation_Revolution

  • Artikel in der portugiesischsprachigen Wikipedia:

https://pt.wikipedia.org/wiki/Revolu%C3%A7%C3%A3o_de_25_de_Abril_de_1974

II. Mehr oder minder Zeitgenössisches (aus den 1970er und 1980er Jahren)

  • ‚AStA + Fachschafts-Info‘ Nr. 16, Nov. 1974: Materialien zu Portugal und zum südlichen Afrika (enthält u.a. eine Chronologie der Ereignisse vom 25.04. bis 15.07.1974

http://www.mao-projekt.de/BRD/NS/BRS/Goettingen_VDS_AStA_Info_1974_16_Afrika.shtml

  • Die „Nelkenrevolution“ in Portugal: „Das schrille Konzert der Parteien“. Ein Abriß über die linken & radikalen portugiesischen Parteien, aus: Arno Münster, Portugal, Jahr 1 der Revolution. Eine analytische Reportage, Westberlin, 1975, S. 91 ff.

http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/t350499.html (in der gleichen Ausgabe sind weitere – überwiegend zeitgenössische – Texte zur „Nelkenrevolution“ in Portugal: http://www.trend.infopartisan.net/trd0499/index.html)

http://plaene.blogsport.eu/nelkenrev/portugal-die-neue-internationale/

  • Frieder Otto Wolf, Portugal vergessen? Vorläufige Schlussfolgerungen aus einer Niederlage der Arbeiterbewegung [1982], in:

http://edocs.fu-berlin.de/docs/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDOCS_derivate_000000000207/Frieder_Otto_Wolf_Umwege2_elektron_08_edg.pdf, S. 8 -11

(eine deutlich erweiterte Fassung des Textes gibt es jetzt in: Karl-Eckhard Carius / Viriato Soromenho-Marques [Hg.], Mauern der Freiheit – Lissabons vergessene Bilder und der Aufschrei heute. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster, 2014)

Titelseite von Mauern der Freiheit. Lissabons vergessene Bilder und der Aufschrei heute

  • ders., Portugal im kapitalistischen Europa. Alternative Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik in der portugiesische Diskussion

http://www.prokla.de/wp/wp-content/uploads/1979/Prokla37.pdf, 107 – 123

  • ders., Phönix aus der Asche. Zur Neuorientierung der portugiesischen Linken seit 1975, in: Beiträge zum wissenschaftlichen Sozialismus H. 5, 1978, 119 – 134

http://plaene.blogsport.eu/files/2016/01/fow_phoenix_1978.pdf

  • Diverse Artikel der – in Tradition der KPD-Opposition (um Brandler und Thalheimer) der späten 1920er / 1930er Jahre stehendenden – Gruppe Arbeiterpolitik:

http://www.arbeiterpolitik.de/Zeitungen_3.htm

  • Klassenkampf in Portugal: Die Demokratie von oben. Wie das Militär den Klassenkampf freisetzt, um den Staat zu retten

http://www.msz1974-80.net/Portugal.html

  • Phil Mailer, Portugal: The Impossible Revolution?, 1st edition: Solidarity: London, 1977: 2nd ed.: PM Press: Okaland, 2012

ausführliches Inhalts- und Abkürzungsverzeichnis der Ausgabe von 2012: http://www.amazon.co.uk/exec/obidos/ASIN/0900688246/qid=1136548636/sr=1-2/ref=sr_1_0_2#reader_0900688246, S. – XIII

Volltext der Erstauflage: http://libcom.org/library/portugal-impossible-revolution-phil-mailer)

  • Texte von Tony Cliff (SWP UK / IST – in Deutschland kommt die Linkspartei-Strömung Marx 21 aus dieser Tradition) zur Nelkenrevolution

Portugal: Lessons for the Revolution (June 1974):

https://www.marxists.org/archive/cliff/works/1974/06/portlesson.htm

Portugal at the Crossroads (Sept. 1975)

https://www.marxists.org/archive/cliff/works/1975/portugal/index.htm

Portugal: The Lessons of the 25th November (Dec. 1975)

https://www.marxists.org/archive/cliff/works/1975/12/lessons.htm

(with Robin Peterson) Portugal: The Last Three Months (March 1976):

https://www.marxists.org/archive/cliff/works/1976/03/portugal.htm

Portugal at the impasse (Feb. 1977):

https://www.marxists.org/archive/cliff/works/1977/02/portugal.htm

  • Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) – Ortsgruppe Hamburg: Zur Entwicklung der Klassenkämpfe in Portugal. Nachdrucke aus der Kommunistischen Volkszeitung, 1975

http://www.mao-projekt.de/BRD/NOR/HBG/Hamburg_KBW_1975_Klassenkaempfe_Portugal.shtml

  • Eine digitale Sammlung (des Centro de Documentação 25 de Abril der Unversidade Coimbra) portugiesischer Zeitschriften aus der Revolutionszeit

http://213.228.181.135/cd25a/lista03.asp?meta21=Fundo%20Geral&meta01=Geral&meta02=Revistas%20e%20Jornais

  • Memórias da Revolucâo. Processo Revolutionário em Curso (vom 25. April 1974 bis zum 28. Nov. 1975)

http://media.rtp.pt/memoriasdarevolucao/

Zwei Veröffentlichungen, die uns bisher weder auf Papier noch digital vorliegen:

  • Die politischen Parteien in Portugal, in: AK-Sonderbroschüre hrsg. von der Portugal-/Spanienkommission des KB, 5. Aufl.: Hamburg, 1975
  • Portugal. Der Kampf der arbeitenden Frau hrsg. von der AG Frauen des KB Hamburg. Hamburg, 1975
  • Weitere ältere Literatur zur Nelkenrevolution bzw. zu Portugal in der damaligen Zeit ist dort verzeichnet:

http://www.archivsozialebewegungen.de/brosch/5.html

II. Rückblicke aus neuerer Zeit (ab 1997)

  • Urte Sperling: April, April? Die „Revolution der Nelken“ in Portugal – von der Diktatur zum gewöhnlichen Kapitalismus, in: Gabriele Dietz (Hg.): Wild + zahm. Die siebziger Jahre. Elefanten-Press: Berlin, 1997, S. 57 – 63

http://plaene.blogsport.eu/files/2016/01/u_sperling_april_april_1997.pdf

  • Vor 40 Jahren: Portugal im revolutionären Aufbruch 1974/75. Anmerkungen und Notizen zur „Nelkenrevolution“ (Teil I und II)

http://www.arbeiterstimme.org/arsti_185.pdf, S. 9 – 16 (eine vorsichtige Analyse auch mit Kurzrezensionen zur neueren gedruckten Literatur)

http://www.arbeiterstimme.org/arsti_186.pdf, S. 1 und 3 – 9 (u.a. mit einem Abschnitt „Weshalb kam es zur Niederlage des revolutionären Prozesses?“)

  • Portugal 1974: Auf halbem Weg gestoppt!

https://www.sozialismus.info/2014/04/portugal-1974-auf-halben-weg-gestoppt/

[1] Vgl. ergänzend bzw. fortsetzend: „Nach der Nelkenrevolution kam es sehr schnell zu Auseinandersetzungen innerhalb der Armee und Gesellschaft um den zukünftigen Kurs des Landes. Ein eher konservativer Flügel, repräsentiert von vor allem älteren hochrangigen Offizieren wie den Generälen Spínola und da Costa Gomes und konservativen Politikern wie Francisco Sá Carneiro standen dabei radikal-sozialistische Strömungen innerhalb des MFA gegenüber, die vor allem von jüngeren Offizieren wie Hauptmann Otelo Saraiva de Carvalho getragen wurden. Zunächst sah es so aus, als wenn die radikaleren Elemente den Sieg erringen würden, so musste General Spínola, der erste Präsident nach der Nelkenrevolution, mit Vasco Gonçalves 1974 einen Repräsentanten des radikalen Flügels zum Ministerpräsidenten ernennen. Später trat Spínola, da er der Radikalen nicht mehr Herr wurde, zurück, und musste nach einem gescheiterten Putsch seiner Anhänger (11. März 1975) sogar das Land verlassen. Gegen den vermeintlichen Sieg der Radikalen bildete sich nun, auch innerhalb des MFA selbst, eine Gegenbewegung. Die radikalen Kräfte innerhalb des MFA veröffentlichen mit ihrem Manifest ‚Für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft in Portugal‘ ein dezidiert sozialistisches Programm, dagegen bildet sich innerhalb des MFA die ‚Gruppe der Neun‘ unter der Führung des Hauptmanns Melo Antunes, die einen Gegenentwurf veröffentlichten. Diese Spaltungen innerhalb des MFA erlaubten General da Costa Gomes, dem Nachfolger von Spínola als Präsidenten, und selbst ein Anhänger des gemäßigten Flügels, die Regierung Vasco Gonçalves am 19. September 1975 zu entlassen und den gemäßigteren Pinheiro de Azevedo zum neuen Ministerpräsidenten zu berufen.

Pinheiro de Azevedo übernahm die Regierung des Landes in einer entscheidenden Phase. Das Schicksal des Landes stand ‚auf Messers Schneide‘, sowohl ein Abgleiten des Landes in das sozialistische Lager als auch die Entwicklung einer repräsentativen Demokratie erschienen denkbar. Kurz vor Amtsantritt der Regierung de Azevedo hatten in Portugal Wahlen zu einer Verfassunggebenden Versammlung stattgefunden, die von den gemäßigteren zentristisch und sozialistischen Kräften gewonnen wurden. Die Radikalen sahen durch diese Wahlniederlage und durch den Regierungswechsel von Vasco Gonçalves zu Pinheiro de Azevedo die sozialistischen „Errungenschaften“ der Nelkenrevolution in Gefahr, zur Verteidigung derselben bildete sich eine radikale Soldatengruppe SUV (Soldados Unidos Vencerão, die vereinigten Soldaten werden siegen). Es kam zum ‚Heißen Sommer 1975‘ einer bürgerkriegsähnlichen Situation in Portugal. SUV, gemeinsam mit der Kommunistischen Partei Portugals und radikalen Gewerkschaften riefen zu Massendemonstrationen auf, ein Radiosender, der während der Nelkenrevolution eine prominente Rolle gespielt hat, wurde von Radikalen besetzt und schließlich von Regierungstruppen gesprengt. Große Landgüter wurden illegal von landlosen Landarbeitern besetzt, die Großgrundbesitzer stellten dagegen rechtsgerichtete Guerillagruppen auf.

Am 25. November 1975 kam es schließlich zur Entscheidung. Radikalisierte Soldaten meuterten gegen ihre Vorgesetzten. Nachdem es Präsident da Costa Gomes und der Regierung de Azevedo gelungen war, mit den Kommunisten ein Stillhalteabkommen zu schließen, ging die Regierung zum Gegenangriff über. Der Ausnahmezustand wurde verhängt, dem neu zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte berufenen General Eanes gelang es relativ schnell, die Meuterei mit militärischen Mitteln zu beenden. Trotzdem kam es auch im Jahr 1976 noch zu weiteren Unruhen, so Massendemonstrationen, die die Amnestierung der an dem Putsch vom 25. November beteiligten Soldaten forderten und einer Welle von Bombenattentaten gegen linksgerichtete Politiker.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Baptista_Pinheiro_de_Azevedo)